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Dumpfe Trychlerklänge liessen Märstetten erzittern

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Eidgenössisches Scheller- und Trychlertreffen 2017

2’700 Scheller und Trychler aus der ganzen Schweiz gaben sich am Wochenende ein buntes und unüberhörbares Stelldichein in Märstetten. Die 134 Gruppen präsentierten einen eindrücklichen Querschnitt durch das Schweizer Brauchtum bei erfreulichen Wetterbedingungen.

Nach Meiringen im Jahr 2014 hatten die Silvestertreichler von Märstetten den Zuschlag erhalten für das 13. Eidgenössische Scheller- und Trychlertreffen, welches am Wochenende erfolgreich über die Bühne ging. Ein grosser Lupf für den kleinen und noch jungen Verein mit Sepp Rüegg an der Spitze, den dieser zusammen mit Hunderten von Helferinnen und Helfern mit Bravour meisterte. Zwar fehlte für den urchigen Anlass die für ihn typische Kulisse des Alpenraums, doch die Landschaft am Fusse des westlichen Ottobergs bot einen würdigen und stimmigen Ersatz. Der seit 1979 alle drei Jahre statt findende Anlass bildet den Höhepunkt der jährlichen regionalen und lokalen Brauchtumsveranstaltungen. Im Mittelpunkt stehen das gemeinsame Erlebnis, die Begegnung und die Folklore. «Man verzichtet bewusst auf einen Wettbewerb und eine Rangierung», sagt OK-Präsident Sepp Rüegg. Am Umzug versucht jede Gruppe bestmöglichst ihre Eigenart und das regionale Kunsthandwerk vorzustellen.

Am Joch oder in der Hand
Nach dem Schnupperschwingen zusammen mit Samuel Giger, Pius Näf und Dominic Schneider und dem Eintreffen der Trychlergruppen stand am Samstagabend der Unterhaltungsabend mit der Begrüssungsansprache von Gemeindepräsident Jürg Schumacher auf dem Programm: «Ich danke den Silvestetreichlern von Märstetten, dass sie diesen Anlass in unser Dorf gebracht haben». Am Sonntagmittag wandte sich Bundesrat Ueli Maurer nach dem ökumenischen Gottesdienst an die Trychler, Gäste und Zuschauer. «Mit der Treichel kommt eine Urkraft zum Ausdruck und ein solcher Anlass hängt zusammen mit unserer Geschichte und unserer Tradition», betonte Maurer. Er forderte die Anwesenden auf, sich zu besinnen auf die Werte und  Wurzeln der Schweiz. «Wenn ihr ganz laut und immer wieder läutet, wird die Regierung auf euch aufmerksam und nimmt euern Warnruf wahr», so Maurer. Anschliessend formierten sich die Trychelzüge zum Hauptumzug und punkt 13 Uhr erfolgte der Start auf den beiden Routen Nord und Süd, angeführt von einer geschmückten Kuhherde. Jede Gruppe verfügte über ihre Eigenheiten und deutete unverkennbar auch hin auf ihre Herkunft. Einige Gruppen schwangen die Trycheln und Schellen von Hand, andere wiederum trugen sie an einem Joch über die Schulter. Eine nicht zu unterschätzende Kraftübung wenn man bedenkt, dass eine Treichel zwischen 15 und 20 Kilogramm wiegt. Beeindruckt zeigten sich die Tausenden von erschienenen Zuschauern auch über die Vielfalt von regional unterschiedlichen Klängen, Klangkörpern und reich geschmückten Tragriemen. So tönen beispielsweise die flachen Gotthard- oder Prageltreicheln völlig anders als die bauchigen Froschmaultreicheln.

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