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Geris Ländlertipp vom 10. Mai 2017

Geri

«doo weets teenzig»

Auf dass Sie mich nicht falsch verstehen: Mit «doo weets teenzig» im Titel verweise ich beileibe nicht auf ein «Chinesisch» im Sinne von Kauderwelsch. Gott behüte! Ich weiss ja, was sie bedeuten. Und welchem wunderbaren Dialekt sie entstammen. Der visuelle Eindruck aber, den die drei Wörter auf den ersten Blick vermitteln, erinnert schon an chinesische Automarken wie Dongfeng oder Tengzhing.

«Doo weets teenzig», wie die Appenzeller Innerrhödler sagen, ist ausschliesslich auf jenen Anlass bezogen, der am kommenden Freitagabend losgeht, am Samstag ab Mittag und bis spät in die Nacht hinein seine Fortsetzung erfährt, auch vom Sonntagvormittag bis zum Sonntagvorabend dauert und sich «Appezölle Musig»-Marathon nennt. Zum 19. Mal wird dieses Ereignis mit insgesamt elf Appenzeller-Formationen (Gebrüder Hersche und Holdrioo am Freitagabend, Settertal-Buebe, Alpstein, Echo vom Schwendetal am Samstagnachmittag, Rondom, Quöllfrisch und Weissbad am Samstagabend sowie Kapelle Hersche Buebe, Streichmusik Neff und Alphöttli am Sonntag) vom «Appezöller Tanzmusikante Verband» organisiert. Zum 19. Mal findet es auch auf der Ebenalp statt. Diese ist ab Wasserauen mit der Luftseilbahn zu erreichen.

Der musikalisch gediegene und eben «teenzig» Musikanlass hat in den letzten Jahren viele Freunde gewonnen, die ebenso wie neue wohl auch bei der bevorstehenden Ausgabe nochmals mit dabei sein möchten. Es dürfte in dieser Form die letzte sein: Nach gut 20 Jahren befassen sich die Organisatoren mit einem Nachfolge-Projekt.

Der organisierende Tanzmusiker-Verband feierte letztes Jahr sein 100-Jahr-Jubiläum. Und er hat eine amüsante Gründungsgeschichte. Mitten im Ersten Weltkrieg, in wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich äusserst schwierigen Zeiten, in denen es an Geld allenthalben mangelte, wurde die «Vereinigung Appenzell I.-Rh. Musikanten» gegründet. Dass dabei Formulierungen zur «Besserstellung sämtlicher Tanzmusiker» im Vordergrund standen, ebenso das Anliegen, Spielaufträge ausschliesslich den Appenzeller Musikanten zuzuhalten und auswärtige Konkurrenz möglichst auszuschalten, ist nachvollziehbar. Hauptaufgabe war, sich für die gerechte Entlöhnung der Musikanten einzusetzen und Spiellöhne einheitlich zu regeln.

Diese gewerkschaftlichen Tätigkeiten wurden bis 1927 auf Sparflamme betrieben. 1928 kam es zum Streit mit den Wirten (Musikantenstreik). 1928, 1933 und 1945 wurden neue Lohntarife festgelegt. Danach distanzierte sich der «Appenzell-Innerrhodische Tanzmusikantenverband» (Bezeichnung seit 1962) von Lohnvorschriften und wandte sich vor allem gesellschaftlichen Belangen zu.

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