Geris Ländlertipp vom 3. Mai 2017

Der ehemalige Heirassa- Musiker Willi Valotti ist seit  Beginn des Festivals für den Nachwuchs verantwortlich.

Das Daheim-Gefühl

Es liegt in der Natur der Sache, dass öffentliche Kultureinrichtungen ländlicher Kantone eher einen Bezug zur Volksmusik finden als die städtischen. Selbiges gilt auch für Kommunen. Appenzell, Schwyz, Thun und Liestal haben eher den Draht zur genannten Musik oder deren Interpreten als Basel, Bern, Genf oder Zürich. Das Haus der Volksmusik steht nicht zufällig in Altdorf im Kanton Uri. Oder das Zentrum für Appenzeller- und Toggenburger Volksmusik in Gonten AI. Wenn – wie soeben durch die Kulturstiftung des Kantons St. Gallen erfolgt – Anerkennungspreise an Volksmusiker vergeben werden, entdecke ich so etwas wie ein Licht am Ende des Tunnels. Ist das jetzt doch ein kleiner Durchbruch?

Immer wieder werden Werkbeiträge und Förderungspreise vergeben, oft an junge Künstler. Vor ein paar Jahren beispielsweise an den Schwyzerörgeler Marcel Oetiker durch den Kanton Schwyz. 2011 erhielten Dani Häusler und Markus Flückiger auf Empfehlung des Kantons Schwyz sogar den Innerschwyzer Kulturpreis. Erstmals in der 60-jährigen Geschichte der Stiftung überhaupt wurden Volksmusiker geehrt. Das Schwyzer Amt für Kultur verfügt für Beiträge aller Art über ein jährliches Budget von einer Million Franken. Zürich stehen 150 Millionen zur Verfügung. Die Zürcher – auch das liegt in der Natur der Sache – stecken viel Geld in bildende (elitäre) Kunst (Opernhaus). Doch die Laienkultur ist im Wandel. Auch Kantone mit klarem Stadtland-Gefälle suchen und finden den Brückenschlag.

Am letzten Samstag wurde der Komponist und Musiker Willi Valotti für sein Schaffen mit dem St. Galler Anerkennungspreis ausgezeichnet. Wir gratulieren herzlich. Barbara Schlumpf, die bekannte Theater-Regisseurin in ihrer Laudatio: «Du hast die Talente in der Muttermilch und die Freude sicuro im Lombardischen Vaterschalk mitbekommen. Deine Musik klingt wie Landschaften. Der Säntis. Die Churfirsten. Der Vierwaldstättersee. Deine Inspirationen nähren sich aus den Högern und Mentalitäten. Deine Musik malt die Berge, Seen, Täler. Ohne ihre Topografien zu vermischen. Jedes Tal hat seine eigene unverkennbare Identität. Die Innerschweizermusik spielst du mit anderen Stilmitteln als die Appenzeller, oder die Wiener, die Ungarische, Argentinische. Volksmusik ist ein Lebensgefühl, sagst du selber: So wohltuend, wie zum Säntis hinaufschauen. Ein Daheim-Gefühl».

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